NLP-Kurse steuerlich absetzbar

Der Bundesfinanzhof (BFH) hat mit zwei Urteilen vom 28.  August 2008 VI R 44/04 und VI R 35/05 seine  Rechtsprechung zur Abgrenzung von Werbungskosten und nicht abziehbaren Kosten der privaten Lebensführung bei  Bildungsaufwendungen fortentwickelt. In beiden Streitfällen  hatten leitende Angestellte zur Förderung und Verbesserung  der beruflichen Kommunikation an Kursen zum „Neuro-Linguistischen Programmieren“ (NLP-Kurse) und an  Supervisionskursen teilgenommen. Der BFH entschied,  dass solche Kurse

zu Erwerbsaufwand (Werbungskosten)  führen können. Er hat hierbei berücksichtigt, dass die  erwähnten Beratungsmethoden zur Sicherung und  Verbesserung der Qualität beruflicher Arbeit eingesetzt  werden und die angestrebten Fähigkeiten (z.B.  Kommunikationsfähigkeit) als Bestandteil der  Sozialkompetenz ("soft skills") Schlüsselqualifikationen  darstellen, die bei der Wahrnehmung von  Führungspositionen im Wirtschaftsleben erforderlich sind.

Für eine berufliche Veranlassung derartiger Kurse spricht  insbesondere, dass sie von einem berufsmäßigen  Veranstalter durchgeführt werden, ein homogener  Teilnehmerkreis vorliegt und der Erwerb der Kenntnisse und  Fähigkeiten auf eine anschließende Verwendung in der  beruflichen Tätigkeit angelegt ist. Entgegen der Auffassung  der Vorinstanzen sind private Anwendungsmöglichkeiten der  vermittelten Lehrinhalte unbeachtlich, wenn sie sich als  bloße Folge zwangsläufig und untrennbar aus den im  beruflichen Interesse gewonnenen Kenntnissen und  Fähigkeiten ergeben. Nach Auffassung des BFH liegt ein  homogener Teilnehmerkreis auch dann vor, wenn die  Teilnehmer zwar unterschiedlichen Berufsgruppen  angehören, aber aufgrund der Art ihrer beruflichen Tätigkeit  (hier: Führungspositionen) gleichgerichtete Interessen haben.

Quelle: Bundesfinanzhof > Pressemitteilungen 2008 > Nr.  101 | 29. Oktober.

 

BUNDESFINANZHOF - Urteil vom 28. August 2008 VI R  35/05

1. Aufwendungen für Seminare zur Persönlichkeitsentfaltung  sind beruflich veranlasst, wenn die Veranstaltungen primär  auf die spezifischen Bedürfnisse des vom Steuerpflichtigen  ausgeübten Berufs ausgerichtet sind. Indizien für die  berufliche Veranlassung sind insbesondere die Lehrinhalte  und ihre konkrete Anwendung in der beruflichen Tätigkeit,  der Ablauf des Lehrgangs sowie die teilnehmenden  Personen.
2. Ein Lehrgang, der sowohl Grundlagenwissen als auch  berufsbezogenes Spezialwissen vermittelt, kann beruflich  veranlasst sein, wenn der Erwerb des Grundlagenwissens  die Vorstufe zum Erwerb des berufsbezogenen  Spezialwissens bildet.
3. Der Teilnehmerkreis eines Lehrgangs, der sich mit  Anforderungen an Führungskräfte befasst, ist auch dann  homogen zusammengesetzt, wenn die Teilnehmer  Führungspositionen in verschiedenen Berufsgruppen  innehaben.
EStG § 9 Abs. 1 Satz 1, § 12 Nr. 1 Satz 2
Urteil vom 28. August 2008 VI R 35/05
Vorinstanz: FG Münster vom 8. Juni 2004 6 K 5400/01 E  (EFG 2005, 1186)

BUNDESFINANZHOF - Urteil vom 28. August 2008 VI R  44/04

1. Die berufliche Veranlassung von Aufwendungen für Kurse  zum Neuro-Linguistischen Programmieren (NLP-Kurse) zur  Verbesserung der Kommunikationsfähigkeit wird  insbesondere dadurch indiziert, dass die Kurse von einem  berufsmäßigen Veranstalter durchgeführt werden, ein  homogener Teilnehmerkreis vorliegt und der Erwerb der  Kenntnisse und Fähigkeiten auf eine anschließende  Verwendung in der beruflichen Tätigkeit angelegt ist.
2. Private Anwendungsmöglichkeiten der in den NLP-Kursen  vermittelten Lehrinhalte sind unbeachtlich, wenn sie sich als  bloße Folge zwangsläufig und untrennbar aus den im  beruflichen Interesse gewonnenen Kenntnissen und  Fähigkeiten ergeben.
3. Ein homogener Teilnehmerkreis liegt auch dann vor, wenn  die Teilnehmer zwar unterschiedlichen Berufsgruppen  angehören, aber aufgrund der Art ihrer beruflichen Tätigkeit  gleichgerichtete fachliche Interessen haben.
EStG § 9 Abs. 1 Satz 1, § 12 Nr. 1 Satz 2
Vorinstanz: FG München vom 10. Juli 2001 8 K 4828/00
(EFG 2005, 776)